Gleich am nächsten Tag brachen wir erneut nach Rio auf. Wir hatten uns dort am Nachmittag mit ein paar Leuten verabredet, die wir tags zuvor auf dem Zuckerhut kennengelernt hatten: Wiederum ein deutsch-brasilianisches Pärchen (Laura aus Deutschland und Felippe aus Brasilien) und den Brasilianer Gustavo, der gerade in Deutschland studiert und somit super Deutsch spricht. Gustavo hatte uns vorgeschlagen, uns eine der
Favelas von Rio zu zeigen. Und so machten wir uns zu fünft auf den Weg nach
Rocinha.
Direkt gegenüber eines Einganges in die Favela befindet sich eine Bushaltestelle. Dort stiegen wir aus. Auf den kleinen Straßen von Rocinha gibt es unglaublich viel zu sehen - dutzende Straßenverkäufer, die kleinen, aber oft mehrstöckig und abenteuerlich gebauten Häuser, hunderte von Läden, teils einfach in die Häuserfassade integriert, teils supermodern. Alles in allem ganz anders, als ich erwartet habe.
Wir gingen etwa 100 Meter in die Favela hinein, um auf die Hauptstraße zu gelangen. Auf dieser, doch auch immernoch relativ schmalen Gasse, herrschte unglaublich viel Verkehr, hauptsächlich Motorräder, danach Autos, Lieferwagen und sogar Busse! Wir winkten nach und nach fünf Motorradtaxen heran und ließen uns in einer spektakulär wilden Fahrt auf den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt bringen.
Den Weg zurück wollten wir laufen, um einen noch besseren Eindruck von der Gegend zu bekommen. Wir entschieden uns dazu, nicht die Hauptstraße zu nehmen, sondern in all die kleinen Gassen, Treppen und Gänge einzutauchen. Schließlich landeten wir, obwohl wir vorher zwei Polizisten nach dem Weg gefragt hatten, in einer Sackgasse, in der ein paar Leute uns unter viel Gelächter in eine andere Richtung schickten. Felippe und Gustavo schworen danach, einer der Männer hätte eine Pistole in der Hand gehabt. Na wie gut, dass ich das nicht bemerkt habe.
In einer der sich auf abenteurliche Weise zwischen den Häusern hindurchwindenden Gassen machten wir Halt, um in einer kleinen Bar ein paar Biere zu trinken.
Als es langsam dunkel wurde, machten wir uns wieder auf den Weg nach Itacoatiara, aber nicht, ohne vorher in dem Partyviertel
Lappa noch etwas zu essen und die vielen verschieden Geschmackssorten
Cachaça auszuprobieren.